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Handelsblatt (Moskau), 9.2.2004
German Kaplun hat in Moskau nach US-Vorbild eine Agentur aufgebaut, die Wirtschaftsnachrichten anbietet Er ist so etwas wie der russische Michael Bloomberg. Wie sein gro'es amerikanisches Vorbild betreibt German Kaplun eine Nachrichtenagentur und einen Wirtschaftsfernsehsender. Au'erdem gehort ihm ein IT-Dienstleister. Anders als Bloomberg, der Burgermeister von New York ist, drangt es den Grunder, Chairman und Chief Executive Officer von Ros Business Consulting (RBK) allerdings bislang nicht in die Politik. Kapluns Lieblingsprojekt ist sein Fernsehsender. Stolz fuhrt der stammige Mann mit dem zuruckweichenden Haupthaar und der hohen Stirn durch die frisch gestrichenen Raume in einem ehemaligen sowjetischen Forschungszentrum. Meeresblau sind die zwei Studios von RBK-TV am Moskauer Stadtrand. Hier produziert der Sender taglich 18 Stunden Wirtschaftsfernsehen und wochentlich ein einstundiges Programm fur CNN. Der russische Bloomberg hat in der alternden Betonburg 550 Mitarbeiter untergebracht, 300 von ihnen sind Reporter, Nachrichtenredakteure und Kameramanner. Sie sitzen hinter wei'en Saulen mit den Kurzeln weltweit wichtiger Borsenindizes wie Dax oder Nasdaq an ihren Monitoren. In der gesamten RBK-Gruppe beschaftigt Kaplun 1 300 Angestellte. Im vergangenen Jahr kam er auf einen Umsatz von gut 40 Millionen Dollar. Davon entfielen 60 Prozent auf die Mediensparte und der Rest auf IT-Dienstleistungen wie Systemintegration oder Softwareanpassung. In die Medienbranche kam der 35-jahrige Moskauer uber Umwege. Erst macht er ein Diplom als Programmierer, uberlegt es sich dann aber zum Start des neuen, marktwirtschaftlichen Russlands anders und wird Broker. "Eine sehr lustige Zeit", erinnert sich Kaplun: "Ich war Broker an einer Metallborse, fur ein Wurstkombinat." Wurstkombinat? "Anders konnte es nicht an die fur die Produktion erforderlichen Metalle kommen." Doch die wilden Jahre des Umbruchs machen nur den reich, der unter die selbststandigen Handler geht. Und so nutzt Kaplun seine Computer-Erfahrungen und verkauft ab 1992 Rechner. Zwei Jahre spater investiert der heute in feines Nadelstreifen-Tuch gehullte Manager sein Geld in den Aufbau einer Bank, die er inzwischen verkauft hat. Die Idee fur die Wirtschaftsagentur wird 1993 geboren. Kapluns Freund, der spatere RBK-Mitbegrunder Alexander Morgultschik, lernt bei einem Praktikum in der russischen Zentralbank die Reuters-Wirtschaftsnachrichten kennen. Er beschlie't, so etwas fur sein Heimatland zu entwickeln. "Der Anfang war recht bescheiden", amusiert sich Kaplun heute und zieht die Lippen seitlich hoch: RBK-Journalisten trugen Informationen zusammen, die auf sieben Zetteln taglich ausgedruckt und per Kurier zu den Abonnenten gebracht wurden. Der Aufschwung kommt erst, als Russlands Wirtschaft im August 1998 in die Knie geht. "Plotzlich brauchten alle unsere Informationen wie die Luft zum Atmen", erzahlt Kaplun, wahrend er durch die Redaktionsraume schreitet. An je funf Doppelreihen sitzen links und rechts Journalisten wie Broker in einem Bank-Handelsraum vor ihren Bildschirmen, die Telefonhorer zwischen Ohr und Schulter geklemmt. Heute ist RBK Russlands gro'ter Anbieter fur Wirtschaftsnachrichten und ein gro'er Dienstleister fur Informationstechnologie. "Ich entscheide uber die Strategie und kontrolliere", umrei't Kaplun seine Aufgabe als Aufsichtsrats- und Vorstandschef. Die Borse ist offenbar zufrieden mit diesem eigenartigen Verstandnis von Corporate Governance: Die seit 2002 borsennotierte RBK-Aktie legte im vorigen Jahr um 240 Prozent zu - deutlich starker als das russische Borsenbarometer RTS. 190 Millionen Dollar ist das Unternehmen heute auf dem Kapitalmarkt wert. "Noch in diesem Jahr werden wir weitere zehn oder 15 Prozent der Aktien an die Borse bringen, um unsere Expansion zu finanzieren", sagt Kaplun. Heute werden erst 26 Prozent der RBK-Aktien gehandelt. Der Chef und seine zwei Kompagnons sind mit jeweils gut 24 Prozent die gro'ten Aktionare. Sie profitieren von einem boomenden Markt: Russlands Borse legte im vorigen Jahr um 58 Prozent zu, und die Werbeumsatze im Land stiegen laut der Assoziation der Kommunikationsagenturen Russlands (AKAP) um 31 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar. Und im nachsten Jahr werden Werbe-Umsatze von 3,5 Milliarden Dollar erwartet. Doch bei aller Dynamik, einige Dinge andern sich nicht. Fast 13 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gilt bei RBK weiter der Spruch: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." So uberpruft Kaplun getreu dem Lenin-Motto die journalistische Qualitat der Produkte. Er will den in Russland weit verbreiteten bezahlten Journalismus verhindern: Firmen zahlen, Zeitungen drucken bestellte Artikel. "Uns schutzt, dass wir politische Ereignisse nicht kommentieren", erklart Kaplun, warum seine Medien nicht die gleichen Probleme unter Prasident Wladimir Putin bekommen wie andere Zeitungen oder TV-Sender. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich der RBK-Chef auch international erfahrene Manager wie den fruheren CEO und Chairman von Credit Suisse First Boston, Hans-Jorg Rudloff, in den Aufsichtsrat geholt hat. Aber sein gro'es Vorbild aus den USA, Michael Bloomberg, konnte Kaplun bislang noch nicht locken. VITA: GERMAN KAPLUN 1968 wird er in Moskau geboren. 1991 schlie't er das Moskauer Institut f'r Radioelektronik als Spezial-Programmierer ab. Er wird aber zun'chst Broker an der Metallb'rse der russischen Hauptstadt. 1992 geht er in den Computer-Handel. 1993 wird RosBusinessConsulting (RBK) gegr'ndet von Kaplun und zwei Kompagnons, heute ist er Chairman, CEO und Gro'aktion'r (gut 24% der Aktien). 1994 gr'ndet er eine Bank, die er 2000 verkauft. 2002 B'rsengang von RBK. Mathias Bruggmann
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